Wie zufrieden sind Menschen mit Behinderung und wie inklusiv ist Deutschland?

In 2014 erhebt der „Deutsche Post Glücksatlas“ die Zufriedenheit von Menschen mit Behinderung in Deutschland. Außerdem liefert er Hinweise, wie weit Deutschland noch von einer inklusiven Gesellschaft entfernt ist.


Symbol für: Menschen ohne Behinderung Menschen ohne
Behinderung
Symbol für: Menschen mit leichter Behinderung Menschen mit
leichter Behinderung
Symbol für: Menschen mit schwerer Behinderung Menschen mit
schwerer Behinderung
01.

Lebenszufriedenheit von Menschen mit Behinderung:

In Deutschland lebende Menschen mit Behinderung sind subjektiv weniger zufrieden als die gesamtdeutsche Bevölkerung. Die Differenz liegt bei 0,9 Punkten auf der 11-stufigen Skala von 0-10.

6,1
Symbol: Menschen mit Behinderung Symbol: Menschen mit Behinderung
7,0
Symbol: Menschen ohne Behinderung
 
 
 
02.

Entwicklung der Lebenszufriedenheit von Menschen mit Behinderung:

Die Lebenszufriedenheit von Menschen mit Behinderung stieg in den letzten Jahren an. Dennoch ist der Abstand gegenüber Menschen ohne Behinderung heute nur unwesentlich geringer als zu Zeiten der Jahrtausendwende. Es zeigt sich, dass sich politische und gesellschaftliche Bemühungen und Aktivitäten für eine bessere Teilhabe von Menschen mit Behinderung in puncto Lebenszufriedenheit noch nicht nachhaltig niedergeschlagen haben.

Symbol: Menschen ohne Behinderung Graph: Entwicklung der Lebenszufriedenheit von Menschen ohne Behinderung zwischen 1995 und 2012
Symbol: Menschen mit leichter Behinderung Graph: Entwicklung der Lebenszufriedenheit von Menschen mit leichter Behinderung zwischen 1995 und 2012
Symbol: Menschen mit schwerer Behinderung Graph: Entwicklung der Lebenszufriedenheit von Menschen mit schwerer Behinderung zwischen 1995 und 2012
03.

Lebenszufriedenheit und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben:

Ein erheblicher Teil der Differenz der Lebenszufriedenheit kann vor allem auf die einhergehenden gesundheitlichen Probleme zurückgeführt werden. Allerdings spielen auch Faktoren wie Einkommen, Arbeit und Familienleben eine Rolle in Bezug auf die geringere Lebenszufriedenheit von Menschen mit Behinderung.

04.

Steigerung der Lebenszufriedenheit durch Inklusion:

Verbesserte gesellschaftliche Teilhabe steigert die Lebenszufriedenheit von Menschen mit Behinderung. Der Teil der Zufriedenheitslücke der von der Gesundheit unabhängig ist, kann zu 61% durch Inklusion geschlossen werden.

Von der Gesundheit unabhängiger Teil der Zufriedenheitslücke

61%

Verbesserung durch gesellschaftliche Inklusion möglich

39%

Verbesserung durch gesellschaftliche Inklusion nicht möglich

05.

Wunsch nach Inklusion – insgesamt und in der Arbeitswelt:

Ein gleichberechtigtes Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung ist für 98% der Befragten wichtig, für 70% sogar sehr wichtig. Generell befürwortet eine Mehrheit außerdem die Inklusion von Menschen mit Behinderung am Arbeitsplatz. 54% der Befragten haben daher kein Verständnis dafür, wenn größere Unternehmen lieber eine Abgabe zahlen, anstatt Menschen mit Behinderung gemäß der gesetzlichen Vorgabe zu beschäftigen.

Inklusive Gesellschaft
generell
Inklusion bei der Arbeit
06.

Wunsch nach Inklusion in der Schule:

Die Mehrheit der Deutschen befürwortet den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung (Zustimmung 64%). Lediglich ein gutes Viertel spricht sich dagegen aus.

07.

Perspektive einer inklusiven Gesellschaft:

Ein gleichberechtigtes Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung ist für die große Mehrheit wichtig, aber nur 32% der Befragten glauben daran, dass diese erreicht werden kann. 20 Jahre oder gar länger wird es bis zur Umsetzung dauern – sagen 58% der Deutschen.

Erreichbarkeit einer inklusiven Gesellschaft
Dauer bis zur Realisierung einer inklusiven Gesellschaft
 
7%

Weiß nicht

 
10%

Etwa
5 Jahre

 
25%

Etwa
10 Jahre

 
58%

Noch 20 Jahre
oder länger

08.

Gründe, die die Umsetzung der inklusiven Gesellschaft erschweren:

43% derer, die eine inklusive Gesellschaft für nicht erreichbar halten geben an, es läge an dem Desinteresse und Egoismus der Menschen ohne Behinderung. Nur eine Minderheit der Befragten glaubt daran, dass Berührungsängste und zu große Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne Behinderung für ein Scheitern der inklusiven Gesellschaft verantwortlich sind.

Nein, Inklusion nicht erreichbar
Das Desinteresse und den Egoismus der Menschen ohne Behinderung
 
 
43%
Die Einschränkungen durch die Behinderung
 
 
25%
Das Verhalten der Unternehmen
 
 
13%
Vorhandene Vorurteile
 
 
6%
Staatliche Hürden
 
 
5%
Zu große Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne Behinderung
 
 
5%
Berührungsängste
 
 
4%
09.

Unterschiedliche Sichtweisen behinderter und nicht-behinderter Menschen:

Die Lebenswirklichkeit von Menschen mit Behinderung wird von der Gesellschaft häufig falsch eingeschätzt. Menschen ohne Behinderung gehen mehrheitlich davon aus, dass sich die Situation von Menschen mit Behinderung in Deutschland in den letzten 10 Jahren verbessert hat (68%). Die Mehrheit der Menschen mit Behinderung sehen dagegen keine wesentlichen Verbesserungen oder gar Verschlechterungen (54%).

Symbol: Menschen ohne Behinderung Symbol: Menschen mit schwerer Behinderung
Allgemein
Verbessert
68%
 
 
 
 
44%
Ist unverändert geblieben
25%
 
 
 
 
36%
Verschlechtert
4%
 
 
 
 
18%
Auf dem Arbeitsmarkt
Verbessert
36%
 
 
 
 
22%
Weiß nicht
16%
 
 
 
 
14%
Ist unverändert geblieben
40%
 
 
 
 
38%
Verschlechtert
8%
 
 
 
 
26%
10.

Voraussetzung für Inklusion – der Kontakt:

Knapp 70% der Deutschen haben weniger häufig bis nie Kontakt zu Menschen mit Behinderung.

Kontakt mit Menschen mit Behinderung
  12% Sehr häufig
19% Häufig
17% Weniger häufig
52% Seltener, nie

Erkenntnisse der Studie:

Menschen mit und ohne Behinderung unterscheiden sich deutlich in puncto ihrer Lebenszufriedenheit. Grundsätzlich ist Inklusion im hohen Maße erwünscht, es existiert aber eine klaffende Lücke zwischen dem ausgeprägten Wunsch und der wahrgenommenen Umsetzbarkeit einer inklusiven Gesellschaft in Deutschland. Das Desinteresse und der Egoismus in der Gesellschaft sind hier aus Sicht der Bevölkerung das größte Hemmnis. Eine wesentliche Voraussetzung auf dem Weg zur inklusiven Gesellschaft ist der verstärkte Kontakt und Austausch zwischen Menschen mit und ohne Behinderung.